Interessantes

Diese Rubrik wird sich in unregelmäßigen Abständen mit Beitragen von Heinz Schlüsener füllen. Sie finden hier weitere Informationen, Erfahrungen und Gedanken.

Gewichtszunahme

Fast jeder Abnahmewillige, der zu mir in die Praxis kommt, hat sich schon durch Diäten gehungert.
Aber dauerhafte Erfolge blieben oft aus. Viele Patienten – auch manchmal meine – nehmen wieder zu und führen ihrem Ausgangsgewicht häufig noch ein paar Kilos zu. Der allgemein bekannte Jo-Jo-Effekt hat zugeschlagen. Jede Mühe war umsonst. „Ich höre auf, mir reicht’s“ ist häufig die Reaktion. 

Die Urmenschen, ganz früher in der Steinzeit, erlebten in ihrer Ernährung Phasen, in denen es Zeiten des Nahrung-Überflusses und Zeiten des Hungers und voller Entbehrung gab. Damals wechselten sich die Zeiten des Überflusses und die oft langen Phasen des Hungers ab. Der Winter wurde damals zu einer großen Bedrohung.
In Zeiten des Überflusses speichert der Körper die Nahrungsenergie in Form von Fett, um eben für schlechtere Zeiten Energiereserven zu haben.  Das „Speichern“ ist ja heute nicht anders als damals und gelingt leider oft bestens. 
Nur die Abbau Phasen fallen in der jetzigen Zeit der vollen Kühlschränke aus.  

Ein Beispiel: In den Notzeiten nach dem letzten Krieg (ab 1945) gab es so gut wie keine Übergewichtigen, weniger Diabetes fast keine Erkrankten durch Fettleibigkeit. Die Menschen mussten (zwangsweise) eine ziemlich lange Zeit des Mangels ertragen. Die Folge war also eine Abbauphase (mit gesundheitlich besten Ergebnissen).

Unser Gehirn steuert diesen gewichtsrelevanten Vorgang. im Fettgewebe angesiedelte „Sensoren“ lassen den Insulinspiegel im Blut reagieren. Die Höhe oder Tiefe des Insulinspiegels gibt Impulse für diese Adiposität. Gehen die Fettpolster zur Neige, reagiert diese Schaltzentrale: Hunger! Das Hungergefühl setzt ein (vereinfacht erklärt).

Der Körper erwartet Notzeiten. Aber gleichzeitig schränkt die Schilddrüse ihre Stoffwechselaktivitäten ein, um in den vom Körper erwarteten Notzeiten möglichst viel Energie zu sparen. Was passiert – „Zunahme“ – so lange Zunahme bis wieder genügend Fett eingelagert ist. Da aber der gesamte Organismus auf „Sparflamme“ geschaltet war, geschieht die Zunahme in der Hälfte der Zeit. Schon ist er wieder da, dieser Jo-Jo-Effekt. Also benötigen wir eine Wunderdiät, eine Diät, die eigenständig die Zunahme verhindert. Das wäre es. Es muss sie ja wohl geben, denn die Zeitschriften berichten doch in jeder Ausgabe von diesen Wunderdiäten: „Nie wieder Zunahme“, „Für immer schlank“ und so weiter. Nach dem, was ich gerade in einfacher Form zu erklären versucht habe, kann es diese Wunderdiät gar nicht geben. Diese physiologischen Vorgaben wie Adipositas, Insulin, Stoffwechselprozesse durch die Schilddrüse und so weiter können doch nicht körperfremd beeinflusst werden, ohne Beschädigung der Gesundheit.


Die Haupt-Ursache für Übergewicht

Der Mangel an Bewegung ist die Haupt-Ursache für Übergewicht! 
Er ist der "Krankmacher" unserer Zeit. Die meisten Menschen verbringen den größten Teil ihres Alltags im Sitzen. Natürlich ist man auch nach geistiger Arbeit erschöpft und müde, aber eben "nur" geistig. Unsere Muskeln und Gelenke aber verlangen nach Bewegung und benötigen diese. Sie haben ein Recht auf Arbeit und Auslastung. Sind sie es doch schließlich, die uns aufrecht halten und uns stützen, durch deren Hilfe wir gehen und stehen können. Doch wir lassen sie einfach "verkümmern" und beklagen uns dann z.B. über Rückenprobleme. Wir machen uns selbst krank durch unsere Trägheit. Und genau da liegt der Knackpunkt: Wir haben also beides zu versorgen: Geist und Körper.
So sollten wir uns sagen: "Du hast nach der Arbeit noch nicht frei. Dein Körper möchte auch noch etwas tun."
In einer Sportgruppe, im Sportstudio, im Schwimmbad, joggen, wandern ... einfach die Bewegung machen, die einem so liegt. Aber auch vorsichtig. Zuerst langsam, behutsam, eventuell nach einer ärztlichen Untersuchung, wenn man lange nichts getan hat. Die Regelmäßigkeit des Sports ist nach einigen Wochen keine Last mehr. Es macht langsam sogar Spaß. Zwischen Körper und Geist stellt sich ein Gleichgewicht her, man fühlt sich ausgelastet und ist erstaunt, dass man trotz doppelt getaner Arbeit weniger müde ist. Denn je mehr ich meinen Körper belaste, desto belastbarer wird er mit der Zeit. Man fühlt sich einfach rundum wohler und auch der Schlaf wird wesentlich verbessert. Jedoch sollten sich Menschen, die mit Einschlafproblemen zu kämpfen haben, nicht zu spät am Abend extrem sportlich betätigen, da sie sich dann regelrecht "aufputschen".

Aber was ist mit dem Körpergewicht? Warum habe ich nach einigen Wochen Sport noch nicht den gewünschten Effekt einer Gewichtsreduzierung erlangt? Denn genau das ist es doch, was ich wollte. Also ist Sport doch nicht das Richtige?
Nur Mut - Weitermachen! Jetzt bilden sich Muskeln - prima, so soll es sein!
Und Muskeln sind ca. 40% schwerer als Fett. Das heißt, durch die Muskelbildung kann mein Gewicht anfangs sogar noch etwas ansteigen. Da sich unsere erstarkte Muskulatur aber auch ernähren muss und wir durch das regelmäßige Training zusätzliche Kalorien bzw. Fett verbrauchen, holen sich die verstärkte Muskulatur ihre Nahrung aus dem bereits gespeicherten Körperfett. Somit wird die Fettmasse nach und nach immer schneller verringert. Ich nehme sehr gut ab. (Ausnahme: Ich esse nach dem Sport noch so viel, dass die Energiezufuhr letztendlich doch größer ist als der Energieverbrauch.)
Unsere Muskeln vergrößern sich, vor allem die tiefer liegende, selten geforderte Muskulatur nimmt den Platz des Fettes ein. Es baut sich ein muskulöser, fettarmer Körper auf und zusätzlich sind wir fit und ausgeglichen. Das Ziel ist erreicht.
Nebenbei hat sich die Durchblutung verbessert, ein Bluthochdruckt ist nun oft im Normbereich, der Herzmuskel ist gestärkt und voller Kraft. Unser Selbstbewusstsein steigt stetig. Wir fühlen uns wie ein neuer Mensch, der es allein mit Stärke und Disziplin geschafft hat, Trägheit und Übergewicht zu besiegen und diesen Sieg bzw. Erfolg durch Bewegung festhalten kann.